Energie und Lebensfülle sprechen aus den Bildern von Isabella Kretzdorn. Auf den ersten Blick nimmt uns deren oszillierende Polychromie und die Präsenz ihrer Figuren gefangen.

 

Isabella Kretzdorns pulsierende Bildwelten leben aus dem dynamischen Spannungsgefüge von koloristischer Nuancierung und flottem Duktus. Und es ist die damit einhergehende feine Ambivalenz, aus der sich eine spezifische Vitalität speist: denn ihre Arbeiten – ob Akt, Portrait, Tier oder Landschaftliches – sind malerisch und zeichnerisch zugleich. Und nicht zufällig entscheidet sich die Künstlerin immer wieder für die Kombination von farbigem Zeichenstift und fließender Aquarellfarbe oder Tusche.

 

1985 als Kind einer Künstlerfamilie geboren, war die Beschäftigung mit Malerei und Architektur schon früh selbstverständlicher Teil ihres Lebens, und damit auch Basis für das spätere Studium an der Freien Kunstwerkstatt München. Die menschliche Figur – insbesondere der schnell gezeichnete Akt nach lebendem Modell – stand denn auch im Zentrum ihres Studiums, und zieht sich bis heute als roter Faden durch ihr künstlerisches Schaffen.

 

Ihre figürlichen Motive erscheinen als reduzierte lineare Chiffren und zugleich als malerisch sich auflösende Formen, geben jedoch den gegenständlichen Bezug nie auf. Spontan gesetzte Konturen markieren dabei die Körperrundungen, ohne diese aber gänzlich einzufassen. Eine aus vielfarbigen Farbsetzungen sich entwickelnde Modulation scheint die Materie in Bewegung und Energie aufzulösen und verleiht den Figuren ihre ausgeprägte Körperlichkeit.

 

Im Miteinander von graphischen Elementen und frei fließender Farbe manifestiert sich ein spezifisches Changieren zwischen apollinischer Klarheit und dionysischer Opulenz: Isabella Kretzdorns Figuren erscheinen körperhaft und bleiben dennoch ungreifbar. Präsent im Hier und Jetzt, und doch stets sich wandelnd. Beweglichkeit - mithin Veränderlichkeit – begegnet uns hier in künstlerischer Umsetzung als Inbegriff von Lebendigkeit.

 

Seit 2009 ist Isabella Kretzdorn als freischaffende Malerin mit ihren vielfach ausgezeichneten Werken bei Ausstellungen im In- und Ausland vertreten. Sie ist Mitglied der renommierten Fondation Taylor und der Société Nationale des Beaux- Arts in Paris.

 

Text von Dr. Marion Vogt zur Ausstellung an den Internationalen Musiktagen Freden